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Der blinde Fleck: Gesunde Führung für Führungskräfte

24. Juni
3 Min. Lesezeit

Aktualisiert: 17. Aug.

Was passiert, wenn diejenigen, die alle tragen, selbst keinen Halt finden.

 

Gesunde Führung für Führungskräfte im Leadership Coaching mit Johanna Oppermann

Wenn Stärke zur Falle wird: Was Führungserschöpfung wirklich bedeutet

Stress kennt jede Führungskraft. Was viele erleben, ist aber mehr als eine anstrengende Phase. Christina Maslach, eine der führenden Burnout-Forscherinnen, beschreibt emotionale Erschöpfung als Kernsymptom: das Gefühl, innerlich leer zu sein, obwohl man nach außen weiter funktioniert. Innere Ressourcen schwinden dabei oft so langsam, dass es lange niemandem auffällt – auch einem selbst nicht.

Führungskräfte tragen dabei eine besondere Last. Sie fungieren als Puffer – nach oben gegenüber dem Management, nach unten gegenüber dem Team. Diese Doppelrolle kostet emotional enorm viel. Das Tückische: Leistung bleibt oft lange stabil. Zahlen stimmen, Meetings laufen, Ziele werden erreicht. Währenddessen schwinden die inneren Reserven unbemerkt. Gesunde Führung ist unter diesen Bedingungen kaum möglich, weil niemand dauerhaft aus einem leeren Tank geben kann.

 


Das große Schweigen: Warum Erschöpfung in Führungspositionen unsichtbar bleibt


Das Bild der starken Führungskraft

Es ist kulturell tief verankert: Führungskräfte funktionieren. Sie lösen Probleme, geben Orientierung, zeigen Stärke. Schwäche zu zeigen wirkt wie ein Versagen gegenüber dem Team, dem Unternehmen, sich selbst. Hinzu kommen psychologische Dynamiken, die Erschöpfung weiter verschleiern:

  • Scham: Wer eine Führungsrolle innehat, sollte doch eigentlich damit umgehen können.

  • Angst vor Kontrollverlust: Hilfe zu suchen fühlt sich nach Schwäche an, nicht nach Stärke.

  • Rollenidentifikation: Viele Führungskräfte haben sich so stark mit ihrer Rolle verschmolzen, dass eigene Bedürfnisse kaum noch sichtbar sind.


Wenn Strukturen keine Unterstützung vorsehen

Dazu kommt: Viele Organisationen haben gesunde Führung zwar auf dem Papier als Ziel, aber keine echten Strukturen dafür. Führungskräfte werden als Multiplikatoren von Gesundheit gesehen, nicht als Menschen, die selbst Unterstützung brauchen.

 

Selbstfürsorge ist keine Schwäche, sondern eine Führungsentscheidung

Vieles, was Führungskräften hilft, scheitert nicht am Wollen, sondern am Framing. Wer Selbstfürsorge als Luxus oder Schwäche versteht, wird sie nicht priorisieren. Gesunde Führung beginnt deshalb mit einer Neubewertung: Wer sich unterstützen lässt, führt nachhaltiger.

Konkret bedeutet das: Supervision, kollegiale Peer-Formate und professionelles Coaching sind keine Kriseninterventionen, sondern präventive Investitionen in Führungsqualität. Sie helfen dabei, Erschöpfungszustände zu benennen, bevor sie zur echten Krise werden. Und genau das ist eine Führungskompetenz, die eigene Verfassung wahrzunehmen, ernst zu nehmen und aktiv gegenzusteuern.

Dabei gilt: Resilienz ist kein Dauerschutzschild gegen strukturelle Überlastung. Individuelle Strategien helfen, aber sie ersetzen keine gesunden Rahmenbedingungen. Wer das erkennt, führt nicht nur sich selbst besser, sondern auch andere.

 

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Was Organisationen endlich ändern müssen

Gesunde Führung ist kein Persönlichkeitsmerkmal. Sie entsteht dort, wo Rahmenbedingungen sie ermöglichen. Das bedeutet konkret: Rollenklarheit schaffen, realistische Erwartungen formulieren und entlastende Strukturen etablieren, bevor Menschen an ihrer Rolle zerbrechen.

Unterstützungsangebote für Führungskräfte müssen niedrigschwellig und entstigmatisiert sein. Ein Coaching-Programm, das nur auf dem Papier existiert oder als Maßnahme für „Problemfälle" gilt, erreicht die wenigsten. Wirksame betriebliche Gesundheitsförderung denkt Führungskräfte als eigenständige Zielgruppe mit, nicht nur als Hebel für die Gesundheit ihrer Teams.

Wer als Organisation gesunde Führung wirklich ernst nimmt, stellt sich die ehrliche Frage: Haben unsere Führungskräfte realistisch betrachtet die Zeit, die Ressourcen und den Rückhalt, den diese Rolle erfordert? Wenn die Antwort nein lautet, ist das kein individuelles Problem. Es ist ein strukturelles.

 

Gesunde Führung braucht Boden unter den Füßen

Wer dauerhaft andere trägt, braucht selbst Halt. Das ist keine Schwäche, sondern eine systemische Notwendigkeit, die viel zu lange ignoriert wurde. Erschöpfung bei Führungskräften ist kein Zeichen mangelnder Belastbarkeit, sondern oft das Ergebnis von zu viel Verantwortung, zu wenig Unterstützung und einer Kultur, die Stärke mit Unverwundbarkeit verwechselt.

Gesunde Führung entsteht im Zusammenspiel aus persönlicher Haltung, professioneller Unterstützung und organisationalen Strukturen, die das auch wirklich ermöglichen. Führungskräfte, die lernen, die eigene Erschöpfung zu benennen, machen den ersten und entscheidenden Schritt. Organisationen, die aufhören, das zu ignorieren, den zweiten. Beides braucht es.



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1 Kommentar


evovexufix02
08. Juli

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